| |
jetzt neu unter http://www.filmundkritik.de
hier online seit 2570 tagen
du bist nicht angemeldet ... jetzt
...
sehr gut, DANKE!!!
von suchmaschinenoptimierung: 20. November, 18:07 Oberfläche
Diese Kritik hat interessant vorgelegt, ...
von medienkind: 28. Mai, 23:55 Phantastisch
Kann dem Vorredner nur zustimmen. ...
von romme: 3. März, 17:30


|
|
|
|
Film und Kritik ist umgezogen und nun unter http://www.filmundkritik.de zu erreichen. Bitte weitersagen! Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert, steht aber als Archiv für die bisherigen Texte weiterhin zur Verfügung. Wir arbeiten daran, die Inhalte in den neuen Weblog zu verschieben. Alle Fragen und Anregungen nun bitte direkt an mail(at)filmundkritik(dot)de.
Zur Volltextsuche geht es hier...
Home : Topics : Auberge Espagnole
Cédic Klappisch's Auberge Espagnole
Gibt es – lässt man einmal die Produktion außer Acht – einen schlechthin „Europäischen Film“? Wenn ja, dann stünde es mit ihm wohl wie mit einer europäischen Identität: er befände sich noch im Entwicklungsstadium.
Cédric Klapisch’s Studenten-Komödie „L’Auberge espagnole“ könnte zumindest inhaltlich einen solchen Film definieren. Bunt, einfühlsam und witzig erzählt Klapisch eine „Geschichte des Aufbruchs“ in ein europäisches Miteinander: Dem 25-jährigen Xavier, gespielt von Romain Duris, wird gegen Ende seines Wirtschafts-Studiums über Beziehungen seines Vaters ein Posten in einem Ministerium in Aussicht gestellt; Bedingung: Spanisch zu können. Also entschließt sich der Pariser Student, im Rahmen des Erasmus-Programms der europäischen Universitäten für ein Jahr nach Barcelona zu gehen.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten und Turbulenzen – vom bürokratischen Labyrinth von Formularstellen und Einschreibeprozeduren, über den Abschied von der weinenden Freundin und der bedrückten Mutter bis hin zur Orientierung und Wohnungssuche in einer fremden Stadt – gelangt Xavier schließlich in eine chaotische siebenköpfige WG, die wie ein europäischer Mikrokosmos erscheint: ein Haufen unterschiedlicher Nationalitäten, Mentalitäten und Persönlichkeiten; liebenswert, verschieden und gleichzeitig in einer gemeinsamen Situation.
Durch das humorvolle Spiel mit der Verschiedenheit, den unterschiedlichen nationalen Klischees und Stereotypen sowie sprachlichen Missverständnissen – etwa der Verwechslung der französischen Abkürzung „fac“ für „faculté“ mit dem englischen „fuck“ – entwickelt Klapisch eine erfrischende Komik, aus der sich eine unterhaltsame Handlungsdynamik ergibt. Dies gelingt ihm v.a. durch das internationale Casting junger und unverbrauchter Schauspieler, das dem Ganzen überdies einen authentischen Anstrich verleiht.
Trotz aller Überziehung und bei aller Leichtigkeit erlangt der Film dennoch Tiefgang, indem er durch eine liebevolle (und subjektive) Art der Betrachtung grundsätzliche Erfahrungswerte im Zusammenhang mit einem Auslandsjahr und der Konfrontation mit Unbekanntem für den Zuschauer nachvollziehbar macht: die Erfahrung, dass sich die anfangs sinnleeren und bezugslosen Straßen einer fremden Stadt nach und nach mit Erinnerungen und somit Bedeutung füllen, und vertraut werden; die Veränderungen, die Entfernung in einer Beziehung auslöst – von der wachsenden Offenheit und Nähe in Briefen bis hin zum gegenseitigen Entfremden; und nicht zuletzt die Erfahrung im Umgang mit Reaktionen anderer auf die eigene Identität, aus der man letztlich gestärkt hervorgeht, kann so mancher Zuschauer wohl auch mit persönlichen Erinnerungen verbinden. Klapisch weiß dies eindrücklich teils über Off-Stimme, teils über die Komik und Melancholie der dargestellten Situationen zu vermitteln.
Das Auslandsjahr verändert Xavier letztendlich in seiner Persönlichkeit und gibt ihm ein neues Identitätsgefühl.
„Auberge espagnole“ lebt dem Zuschauer mit der Unbeschwertheit studentischen Lebens ein Stück europäischer Identität vor, in dem Sinne, dass der Film ein menschliches Gemeinsamkeitsgefühl vermittelt, und lässt es sich am Ende nicht nehmen, einen ironischen Seitenhieb auf die Schreibtischtäter der EU-Verwaltung zu führen, wenn Xavier seinen bequemen Ministeriumsjob in den Wind schlägt.
„C’est une histoire de décollage“* – dieser Satz, mit dem der Film auch endet, passt wohl ebenso auf die Identität Europas im Allgemeinen, wie auch auf die individuelle Horizonterweiterung beim Blick über den nationalen Tellerrand, der jedem Zuschauer durch diesen Film schmackhaft gemacht wird.
(0 comments) ... kommentieren
|
|