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von miro: 5. Mai, 23:53
Ungeheure Lügen
Du bist ja nicht mehr ganz dicht. ...
von claasclever: 26. April, 21:33
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sehr gut, DANKE!!!
von suchmaschinenoptimierung: 20. November, 18:07
Oberfläche
Diese Kritik hat interessant vorgelegt, ...
von medienkind: 28. Mai, 23:55
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von admin: 12. Mai, 00:40
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a.wendler über Die fetten Jahre sind vorbei

Die fetten Jahre sind vorbei. Und nachdem man Hans Weingarnters gleichnamigen und allenorts hochgelobten Film gesehen hat, weiß man, dass das im gleichen Maße für die widerstandsromantisch verklärten bösen Kapitalisten, für die jungen wilden Widerstandskämpfer und ebenfalls für jene gilt, die all das in unseren Tagen ins Bild setzen wollen.

Die Bonzenentführer wider willen merken das nur zu schnell. Ihr gewissenloser Großkapitalist war selbst einer von ihnen, früher in den guten alten 60ern, ihre Eifersucht und ihr Egoismus sind auch nicht besser als der, den sie bekämpfen und am Ende bleibt nur eine Fahrt ins buchstäblich Blaue.

Die Aporie eines Widerstandes zwischen den Revolutionsmythen des 20. und den ewig uneingelösten Versprechen des 21. Jahrhunderts jedenfalls, trifft keinen so hart wie die Filmemacher selbst. Denn die sowohl ungestellte als auch unbeantwortete Frage des Films bleibt, wer, wie und gegen wen eigentlich warum kämpft. Statt hier klar Position zu beziehen, gibt es ein Potpourrie aus Klischees, welches das Problem geradezu ins Absurde und in der letzten Einstellung ins undefinierte Nichts treibt. Alle bekannten Elemtente sind versammelt: die unverschuldet in Not geratene Jugendliche, der links-kritische Sonderling und der gutaussehende Widerstandshedonist.

All das bekommt man in vielfältigen und ebenfalls lang nicht neuen Konstellationen serviert: da ist die verbotene Liebesgeschichte, die in einer Wohnung ohne Tapete an den Wänden beginnt, dann die Räuberpistole mit ungünstigem Ausgang, die bergromantische Aussteigerklamotte und das Entkommen in letzter Sekunde. Statt zu fragen, inwiefern eine mediale Maschine wie der Film revolutionär werden kann, wird das ultimative Klischee des ›anderen Filmens‹, nämlich die notorische Wackelhandkamera ausgepackt, die den Zuschauer von einer sinnlosen Spannungskurve zur nächsten schleift.

Man könnte all das retten, wenn man es als Bestandsaufnahme verklären oder als verzweifelten Versuch sehen wollte, die Ausweglosigkeit der Revolutionäre in diesen Tagen zu illustrieren. Ein Film aber, der die Urlaubsreise eines seiner Protagonisten mit der größtmöglichen Einfallslosigkeit zeigt, nämlich einer Einstellung eines abhebenden Flugzeuges, der wird aus seinem filmischen Dilletantismus schwerlich revolutionäre Energien ableiten können. Und auch, wenn seine Protagonisten nicht in den Fängen der Polizei enden, so ist ihre Butterfahrt in die Weiten des Mittelmeeres aller Aufbruchs- und Seefahrerromantik zum Trotz, doch nur Ausdruck der Angstreaktion lieber irgendetwas statt gar nichts zu tun.

»Die fetten Jahre sind vorbei«
Regie: Hans Weingartner
mit Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner u. a.
126' Deutschland/Österreich 2004
 

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anna knopf über Die fetten Jahre sind vorbei

Wir kommen um uns zu beschweren

Ein Newsletter der Plattenfirma Lado hat aufgerufen ins Kino zu gehen. Es ist soweit: Der neue Film von Hans Weingartner „Die fetten Jahre sind vorbei“ ruft dazu auf, sich zu bewegen, weg von dem Fernsehsessel, back to the roots in den Kinosessel. Die Worte „Action“ und „Resistance“ hat sich auch die Firma Diesel Jeans für das „successful living“ ihrer Werbekampagnen schützen lassen, wenn Jugendliche, gekleidet in 600 Euro Klamotten auf der Straße stehen und demonstrieren: „Liebe deine Mutter!“. Ganz anders haben „die Erziehungsberechtigen“ alias Julia Jentsch, Stipe Erceg und Daniel Brühl in dem Film angefangen. Als Attac - Demonstranten, die gegen Billig – Produziertes und Teuer – Verkauftes aufstehen, aus dem Fernsehsessel. Als die 2 Kumpels Jan und Peter unterwegs sind und in dem blauen Bus durch Berlin fahren, wünscht man mit der Handkamera und einer Dose Bier hinten zu sitzen und den beiden ein Tape nach vorn zu werfen. „Hier wirf mal ein, das ist der Lado - Sampler von Jule“. Die Kamera wackelt, das Tape leiert und wie wir da so sitzen läuft „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“, von Tocotronic mitten durch den Smog der Großstadt. Leider ist das 10 Jahre her.
Das System mit den eigenen Waffen schlagen, heißt wohl jetzt von der Handkamera zur Überwachungskamera: Nachts werden Villen beobachtet, Möbel verrückt und Dinge verschwinden in falschen Schubladen. Es wird etwas verändert, ohne etwas zu nehmen. Doch die Idee ist gut und die Welt noch nicht bereit. Die Erziehungsberechtigten hinterlassen nur den Hinweis „Sie haben zuviel Geld!“ oder „Die fetten Jahre sind vorbei!“. Sie könnten auch hinterlassen: „Verstehen sie Spaß?“
Doch hier hört der Spaß auf, denn Jule hat ein ähnliches Schicksal wie Momo: Die grauen Herren stehlen ihr die Zeit. Sie hat einem bösen Bourgeois die Karre kaputt gefahren und muss bis an ihr Lebensende zahlen.
Im Film heißt der erste Widerstand „Mein Herz ist eine revolutionäre Zelle“. Jan macht ein Foto. Vielleicht ist diese die letzte gute Erinnerung an den Film.
Dann der Einbruch in das Haus des Spießers, unter anderem um Möbel zu verrücken und sich nebenbei zu verlieben. Das ist nicht Freiheit, das ist Irrtum, denn um zu beweisen, dass der böse Bourgeois echt viel Geld hat, benutzten sie ein System, das sie selbst ablehnen. Während der Anarchie im Wohnzimmer überrascht der Bourgeois die Beiden. Als entdeckte Systemfeinde müssen sie nun auch so handeln. Hans Martin Schleyer versus Hardenberg. Der Revolutionstourismus führt auf die Alm, und damit zurück in das Reality-TV. Doch der böse Bourgeois passt sich barfüßig genauso gut an die Alm an, wie nach 1968 an die CDU. Die Tischgespräche machen ihn jedoch nicht nur überzeugter, sondern auch überzeugender. Die Degeneration unserer Generation ist peinlich und Weingartners Handkamera-Wackeln kann die Leere der Gespräche auch nicht füllen. Aus den Sprüchen „Ich war auch mal jung“ und „waren wir nicht alle mal so“ wird leider „werden wir nicht alle mal so“, als Jan, Peter und Jule den coolen Bourgeois bis vor die Villa chauffieren. Diesmal werden sie keinen Zettel hinterlassen. Aber eine subversive Sendepause. Doch der Film zerstört sich nicht selbst, sondern die Idee, dass alle Menschen zu Sendern werden sollten.
Revolution will not be televised oder wir Tocotronic es sagen würden: „Vielleicht ist es eine Frage des Geschmacks, mit Unrichtigkeiten den Abend verbracht. Es gibt nur Cool und Uncool und wie man sich fühlt.“

„Die fetten Jahre sind vorbei“
Regie: Hans Weingartner
mit Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner…
126´ Deutschland/Österreich 2004
FSK. 12 Jahre (!)

http://www.diefettenjahre.de
 

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theresa schubert über Die fetten Jahre sind vorbei

Vorsicht, ein Trend geht um!

Vorhang auf für den hochgelobtesten jungen deutschen Film und Nachwuchsregisseur des Jahres 2004! Die Hauptattraktion: eine interaktive Performance und am Ende entsteht eine pittureske ready made- Skulptur. Achtung, Teilnahme auf eigene Gefahr!
Nicht nur Möbelberge werden aufgetürmt, sondern auch Wortberge: ganz unten die Ideale, links davon ein paar revoltionäre Ideen, darauf sitzen die Bullen und und ganz oben stehen die Scheiss- Bonzen.
„Wir sind nur die Spitze des Eisberges“, sagt Jan- und die Rolex muss aus dem Fenster fliegen, denn die Erziehungsberechtigten sind keine Diebe.

// Von der Spitze des Eisberges zur Oberfläche:
Die Bilder, Videomaterial, Handkamera.
Hier entspricht die äussere Form der inneren Situation: Die Bilder umspülen etwas wackelig den Eisberg, genau wie man auch bei Jule, Peter und Jan eine gewisse Unsicherheit spüren kann, wieso sie nun gegen das Establishment sind. Manchmal ist das Bild auch ganz schön pixelig, z.B. bei Nahaufnahmen der Gesichter will uns das aufgeblasene Videomaterial kein klares Bild bieten. Rebellieren die drei nun gegen soziale Ungerechtigkeit, wegen Jules Schulden, aus Langeweile oder weils cool ist?
---
Aber das ist vielleicht auch gar nicht so wichtig und es geht um etwas ganz anderes: Überwachung- Big Brother is watching.
Jan bastelt sich eine Überwachunkskamera in seinen VW- Bus. Dann sitzt er mit Peter nächtelang in seinem Bus und beobachtet Villen. Jan und Peter beobachten die, die unsere Gesellschaft überwachen. Die Reichen und Mächtigen, sie sollen sich in ihren Scheiss- Villen beobachtet fühlen und Angst bekommen.
Der VW- Bus wird von der Polizei beobachtet, weil VW- Busse inclusive Besitzer grundsätzlich verdächtig sind. Herr Hardenberg wird überwacht, weil er der Entführte ist.
Die Gesellschaft wird vom Fernsehen überwacht. Schluss mit der Überwachung des Geistes, sagen Jan, Jule und Peter und starten einen Segeltrip ins Mittelmeer, um das europäische Satellitensystem lahm zu legen.
Und die Kamera beobachtet sowieso alles und jeden.

// Szenenwechsel- die Flucht in die Berghütte, den entführten Millionär Hardenberg auf der Rückbank und die Weite der Alpen vor den VW- Bus Scheiben.
Das Bild stabilisiert sich, die Lage auch und liefert schöne Aufnahmen der Landschaft und der drei kleinen Revoluzzer mit ihrem Millionär.
Bei Spaghetti und Rotwein kommt man sich näher, tauscht Erinnerungen und Standpunkte aus (Jule auch gleich den Feund), Hardenberg bezahlt die Spesen und am Ende fährt man guter Dinge zurück nach Berlin.
Musik dröhnt aus dem VW- Bus, Roadmovie- Feeling kommt auf. Man versteht sich.

// Der Urlaub ist zu Ende. Back in Berlin.
Aber so ganz hat man sich doch nicht vertraut: Die 68er sind tot/ Es lebe das Establishment! Hardenberg sitzt in seiner Limousine und überwacht den Polizeieinsatz.

“Die fetten Jahre sind vorbei“ sind eine Homage an Berlin, an das „jung und cool“ zu sein, stellt Fragen an die Gesellschaft versucht die Gesellschaft in Frage zu stellen, aber schafft es nicht wirklich.
„Gib mir ein T-shirt mit Andreas Baader drauf... komm hol auch du dir preisgünstig Revolution mit ein, zwei Freibier und Che Guevara- Kondom. Wir sagen: Vorsicht, ein Trend geht um!“ singen Mediengruppe Telekommander auf dem Soundtrack und das bringts auf den Punkt: ein Polit- Pop aus Lyfestyle, Kneipen-Gemütlichkeit und Liebe.
 

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not_susan über Die fetten Jahre sind vorbei

Liebestoller Revoluzzergeist in Kinderschuhen

Drei Großstadtkinder, Jule, Jan und Peter, auf der Suche nach einem Ausbruch aus dem kapitalistischen System der kleinen und großen Ungerechtigkeiten. In ihrer Wut auf die Ausbeuter dieser Welt bleibt ihnen am Anfang aber nicht vielmehr als nachts in den Häusern derer, die sie die Feinde ihrer Freiheit nennen, Möbel zu verrücken. Dabei ist Angst eine geile Droge. Revoluzzer wollen sie sein, und doch ist ihr Herz nur revolutionär für Herzschmerz unter drei Freunden. Hans Weingärtners Film will irgendwie Jugendfilm sein, versucht, die aufzuwecken, die auch mal rebellisch sein wollen. Die Revolte ist, so schreibt Albert Camus, die „erste Selbstverständlichkeit, die den Einzelnen aus seiner Einsamkeit, aus dem individuellem Leid, der Erfahrung des Absurden mit hinausnimmt auf den öffentlichen Platz. Ich empöre mich, also sind wir.“ So schauen Jan und Jule über die urbane Welt Berlins, eine Leere in ihnen, die nach einem wahren Aufstand schreit, eine Seele, die sich sehnt, doch eher nach verbotener Liebe als nach Revolution. Blieben sie die hungrigen Rebellen der Stadt, wäre bald jede Villa abgegrast, auf Demos gehen und armen Schluckern in der S-Bahn zu helfen, das stillt ein revolutionäres Herz auf Dauer nicht. Und so kommt der Film endlich in Bewegung an dem Punkt, als sie bei einem Einbruch von dem reichen und doch armen Bonzen Hardenberg überrascht werden, den es nun zu entführen gilt. Nun könnte es beginnen, das Road Movie. Mit Camus’ Worten: Revolte ist Aufbruch mit offenem Ziel. Weingärtner zeigt, wie ihre Gesichter an die Fensterscheibe des VW- Busses gelehnt unsicher auf die vorbeirasende Welt da draußen schauen, dieses idyllische Deutschland mit seinen Bergen und Wiesen. Doch es ist die Welt draußen, die statisch ist, die im Dornröschenschlaf liegt. Die drei vermögen es nicht, sie aufzuwecken, der Film selbst erstickt den Keim einer wirklichen Revolte, denn Weingärtner vermisst es trotz improvisatorischer Freiheit, die Geschichte zu beschleunigen um die Protagonisten in eben jenen Zustand einer rebellischen Aufruhr zu versetzen. „Leben, lebendig sein heißt Geschwindigkeit sein. Mein lebendiger Körper ist ein dauerndes Umschalten, ein Geschwindigkeitswechsel.“ Sagt Virillio. Weder das fast schon monotone Wackeln der Videokamera, noch die suggerierte Leichtigkeit und Spontaneität der Dialoge schaffen eine Authentizität, die Rebellion heißt. Der Film bedient sich einem traurig plakativem Dialog zwischen den Protagonisten um zu entlarven, dass die eine Generation, die Rebellion gelebt haben, obwohl danach die Enttäuschung kam. Die Anderen kommen nicht mal aus den Startlöchern hinaus.
 

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m_art_in über Die fetten Jahre sind vorbei

The Revolution will not be televised

Hans Weingartners Prophezeiung bevorstehender Dürrezeiten endet mit einem Fernsehbild. Mehrdeutig nichtssagend fährt die Yacht mit den drei Protagonisten in ein weißes Rauschen, das in Fernsehmanier abgeschaltet wird. Dies weckt einerseits die Assoziation zu Weingartners Erstlingswerk >Das weiße Rauschen<, andererseits betont das offene Ende die innerfilmische Bedeutung des Fernsehens (sein Einfluss auf die Produktion – siehe Filmförderung - ist ein anderes Thema).


Laut Gil Scott Heron wird die Revolution nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden. Ähnliche Ansichten kann man Weingartner zuschreiben, wenn er beharrlich suggeriert, dass unsere Gesellschaft eine bessere andere sein könnte, wenn man ihr nur die Möglichkeit schenken würde, nicht fernsehen zu müssen. Als zentraler Lösungsansatz für gesellschaftliche Missstände erscheint im Film als erster Schritt die Beseitigung des Mediums Fernsehen und die Befreiung der katatonischen Fernsehsklaven, der Durchschnittseuropäer, die gleichgeschaltet vier Stunden täglich ihre Sucht stillen.


Die drei aufgeklärten, medial-mündigen Rebellen Jan, Peter und Jule spiegeln dabei die hoffnungslose Lage einer Generation wieder, die jede Revolution nur symbolisch wiederholen kann; für die Demonstrationen genauso effektiv wie Karnevalsumzüge sind und für welche das Plakatieren von Häuserwänden zu plakativ geworden ist. Revolution ist jederzeit denkbar - und daher real unmöglich. So sind die selbsternannten Erziehungsberechtigten weniger nachhaltig-wertvolle Pädagogen als vielmehr kreative Innenarchitekten, die es verstehen mit Kunst im nicht-öffentlichen Raum die Wohnzimmer - oftmals die Fernsehzimmer - ihrer Zielgruppe zu gestalten.
Für Gestaltungskonzepte des gesellschaftlichen Mobiliars fehlen die konkreten Vorstellungen. Dafür reichen auch die so oft betonten 'guten Ideen' nicht aus.


Den Wunsch in die Köpfe derer zu gelangen, die offenbar erzogen werden müssen, kann sich Weingartner selbst nicht erfüllen. Dafür bleibt sein Film zu unterhaltend. Vergeblich wartet man auf eigene Gestaltungsideen, die beispielsweise an attraktive Experimente eines Sergej M. Eisenstein oder an französische Regisseure erinnern, welche durch filmische Neuerungen gängige Sehgewohnheiten aufbrechen wollten. Weingartner vertraut dem leicht konsumierbaren Inhalt. Vielleicht aus der Erkenntnis heraus, dass es heute durch eine andersartige Verwendung filmspezifischer Mittel kein revolutionäres Kino im nicht-revolutionären geben kann. Ob Fernsehen oder Film: Revolution ist eine emotionale Nische im Warenangebot.
Diese Revolution ist ein Liebesdrama - und Daniel Brühl spielt die Hauptrolle.


Im Film bleiben die revolutionären Werte für oder gegen etwas abstrakt. Als das Trio mit dem entführten Alt-68er Hardenberg in der Distanz zur kapitalistischen Unglücksindustrie und mit der Weitsicht der Berge über globale Perspektiven diskutiert, wird der Zuschauer mit nicht unbekannten Phrasen in die Reserve gelockt.
Obgleich die Fernsehkritik in dieser Pop-Subversion eine Bedeutungshülse bleibt, bietet sie lohnende Denkansätze: Könnte es eventuell sein, dass wir nur in einer Fernsehdemokratie leben, deren Konstruktion uns durch eine allgemeine Sendepause bewusst werden würde? Vielleicht wäre Demokratie ohne das Fernsehen bis heute überhaupt nicht möglich gewesen. Eventuell besteht die Aufgabe der neuen Generation darin, den Muff von 50 Jahren Fernsehgeschichte durchzulüften und die mangelnde Medienkompetenz ihrer Erzeuger anzuklagen. Sollte das Fernsehen wirklich solch eine Macht auf soziale Prozesse besitzen, dann wäre eine Änderung der Verhältnisse durch eine mediale Umformung, nicht aber durch einen vollständigen Boykott des Mediums sinnvoll.
Gesellschaftliche Veränderung sollte in den eigenen medialen vier Wänden beginnen und zunächst dort die Kinosessel in den Pool schmeißen. The Revolution will not be televised - aber im Kino läuft sie auch nicht.





Die fetten Jahre sind vorbei
Deutschland/Österreich, 2004, 126min, Farbe
R: Hans Weingartner

http://www.diefettenjahre.de
 

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