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sehr gut, DANKE!!!
von suchmaschinenoptimierung: 20. November, 18:07 Oberfläche
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von medienkind: 28. Mai, 23:55 Phantastisch
Kann dem Vorredner nur zustimmen. ...
von romme: 3. März, 17:30


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Home : Topics : Gespenster
Gespenster oder: die Sätze und die Bilder
Die Bilder stehen wie Zinnsoldaten nebeneinander und
es gibt nur eine Möglichkeit zum nächsten zu kommen und
manchmal gibt es das nächste gar nicht mehr und
man seufzt noch einmal und
man macht sich auf die Suche nach den Bildern und
dann sind sie doch wieder da und
du kannst ihnen nicht entkommen und
du wünschst dir einen Halbsatz aber
du bist verdammt in ganzen Sätzen zu sprechen und
du suchst eine Begründung aber
du hast kein Wort für Begründungen,
das »weil« fehlt und
Bäche salziger Zähren fluten überall und
du traust deinen Augen und Ohren nicht mehr aber
eine Überwachungskamera müsste es doch wissen aber
die Bilder in deinem Kopf sind stärker und
du weißt es besser aber
die Hoffnung stirbt zuletzt und
es ist nur ein Film aber
dieser Film klaut dir die Ruhe deiner Gewissheit und
du wirst es nicht mehr wissen,
weil du gesehen haben wirst, dass es anders hätte sein können, was zwischen den Bildern, die wie mechanisch, wie Hauptsätze aneinandergeklebt sind, wie ein Liste, eine bloße Aufzählung, ohne Nebensätze, die erklären könnten, was gewesen war oder wie es gewesen ist, doch nichts von dem gilt mehr, denn man könnte sich nur befreien, wenn man wieder »wenn« sagen könnte, weil nur ein »weil« die Unerträglichkeit dieses Filmes in Sprache verwandeln könnte und weil ich ihn liebe, weil ich ihn hasse und weil ich Angst haben werde, wenn ich das nächste mal im Supermarkt ein Wunsch-Bild sehe und weil ich weiß, dass es hier nicht um’s Wünschen, sondern nur um etwas Monströses zwischen den Bildern geht.
Ich hätte im Konjunktiv schreiben müssen, wenn ich das unnachgibige Präsenz dieser Bilder hätte abschütteln wollen.
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Gespenster

Gespenster steht da, doch ich habe keine Angst mehr, am Ende des Films, denn ich weiß ja, was passiert ist. Es ist alles sehr übersichtlich. Mehr als im eigenen, manchmal. Das ist sehr ordentlich, wie Petzold da vorgeht, den Mangel zu zeigen, wo Mangel ist, oder eher den Mangel nicht zu zeigen, ihn zu erzeugen, wo er nicht ist. Das ist die Maschine des Films, die Mangel vorantreibt, dorthin, wo noch weniger ist, wo nichts bleibt, außer mir, die da sitzt und Mangel fühlt. Der Vorhang saust von beiden Gehirnhälften aufeinander zu und mittendrin: Rot. Julia Hummer. Rot. Ein Rot, das alles zerstört, alle Charaktere, alle Farben, alle Ordnung, allen Mangel, ein sattes Rot, in der Mitte des Films, es möchte echt sein. Alles was geschieht und alles was nicht geschieht ist nicht mehr unterscheidbar. Dazwischen sind sie Gespenster, die kein Gedächtnis haben, wie Toni, die kälteempfindlich sind, wie Nina, und Gespenster, die in der Vergangenheit leben, wie Francoise. Die Bilder erleben ihr Ende nicht, die Szenen sind zu Ende, bevor sie zu Ende sind, bevor Nina sagen kann, dass Du meine Freundin bist und dass Du bei mir bleiben musst, heute Nacht und immer, weil sich das so gut anfühlt.
So bleibt Nina in jeder Szene Julia Hummer, nicht Marie, oder nur die Freundin von Toni, sondern Julia Hummer. Das ist die Kamera, die scheinbar gar nicht da ist, die nur fühlt und auditives Ahnen als Blätterrauschen in „Gespenster“ auch als Hörspiel auskommen lassen könnte, und auch wieder nicht. Da sind die simulierten Fotos im Müll und die Geschichte für den Produzenten, die glaubhaft macht, dass Nina schon von Toni geträumt hat, bevor sie sie kannte. Nina fragt, wo denn eigentlich das Isjelmeer ist. Sie müsste ihr antworten: Lass´uns dahin fahren. Aber das Isjelmeer gibt es schon lange nicht mehr. Das heißt jetzt Zuidersee. Zwischenwelten. Ein Sommer, der typisch Deutsch ist, in einer Farbe wir Graubrot: Verhangen, ohne Strahlen und Sommersprossen, ein Sommer, der genauso gut einfach nur ein Übergang zu einer kälteren Jahreszeit sein könnte. Francoise hat ihn sich ins Haar gefärbt. Sie lehnt sich auf sein Steuer, während sie fahren, um den Sommer ins Auto zu lassen, wie eine Grille, die sich beugt, wenn der Sommer zu Ende geht. Der Rückspiegel weiß von einer blauen Ferne, dieses Blau der Überwachungskamera, und jemand zieht den Wagen aus dem Bild, aus dem Film, aus dem Leben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Gespenster gar kein Film ist, sondern eher ein Gefühl von einem Mangel am Film.
Gespenster
Regie: Christian Petzold
Drehbuch: Harun Farocki, Christian Petzold
mit Julia Hummer, Sabine Timoteo, Marianne Basler
85´ Deutschland 2005
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