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klasse beitrag.-)
von taurin pulver: 5. Dezember, 07:42 ...
Klasse Beitrag! .-)
von taurin pulver: 5. Dezember, 07:38 Treue halten
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von unternehmensberater: 16. September, 19:00


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Film und Kritik ist umgezogen und nun unter http://www.filmundkritik.de zu erreichen. Bitte weitersagen! Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert, steht aber als Archiv für die bisherigen Texte weiterhin zur Verfügung. Wir arbeiten daran, die Inhalte in den neuen Weblog zu verschieben. Alle Fragen und Anregungen nun bitte direkt an mail(at)filmundkritik(dot)de.
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Home : Topics : JONA (HAMBURG)
Man frage nicht …
Früher konnte man sich im Kino gemütlich hinsetzen und in Ruhe schauen. Früher konnten die Junkies am Hamburger Hauptbahnhof auf den Treppen sitzen und miteinander quatschen. Heute bombt Peter Ott dich aus dem Kinosaal. Heute stehen vor dem Hamburger Hauptbahnhof Polizeicontainer mit Zaun drumrum.
Man frage nicht, was es sei. Man beschreibe, wie es ist. Vor allem wackelt es und ist unverständlich. Es regnet drauf und wird abgestellt. Moses und Jona spielen darin eine Rolle. Manchmal, wenn es die im Bett hingestreckten, zum Teil entblößten Kinder filmt, sieht es aus wie ein Überwachungsvideo. Dann, wenn die wehenden Blätter eines Baumes erfasst werden, wie ein Film, der sich an Metaphern versucht. Menschen, Figuren, Geistesgrößen tauchen auf und unter, werden bezahlt, gesucht, gefilmt, beschimpft, ausgeschlossen und zitiert. Ein Sohn sucht sein eigener Vater. Statt Interventionen eine große différance. Mit a. Das ist ein Kunstwort von einem französischen Philosophen. Sein Name könnte in Klammern gestanden haben, wie Hamburg.
Man frage nicht, was wahr war. Aus den Bildern, sind die Identitäten gelöscht, höchstens zu Ruinen und Fracks zerschnitten. Wer hier auftaucht ist alle und keiner. Vater und Sohn, Drogenzombie und Filmstar, paranoid und schizophren zugleich. Alles erwächst seiner Negativität: das Filmbild dem Mangel an Kadrierung, Geld der Dauerpleite, die Existenz als Junkie der Flucht vor geforderten Rollen. Ott konditioniert dich. Ob du willst oder nicht. Nichts zeigt sich hier, denn zeigen hieße einfangen. Aber Ott konditioniert dich und zeigt dir was nicht ist und nie wahr gewesen sein wird, wofür du keine Worte hast und er keine Bilder findet. Ein Film im stagnierenden Futur II der Gegenwart. Präsenzen.
Die letzte Rettung vor dem endgültigen Riss und Absturz: die große Form aufrufen. Aus drogensüchtigen Prostituierten werden Psychotherapeuten, aus einem Haufen Footage wird die Matthäus-Passion. Es wackelt immer noch. Und trotzdem oder vielleicht gerade darum ist hier alles an seinem, und das heißt, an keinem Platz. Man frage nicht, wozu und warum. Denn Ott sah, dass es gut war. (//den letzten Satz im Stile eines barocken Oratoriums-Rezitatives singen. Haydn//)
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Prophet werden
Bild ist Junk, wie wir gesehen haben – Wenn ein Patient ein Bein verliert: was ist da beschädigt worden? – Offensichtlich das Bild, das er von sich hat – Also braucht er jetzt eine Ladung Bild in konzentrierter Form – Die Halluzinogendrogen verschieben das Raster der »Realität«, daß wir eine andere »Realität« sehen – Es gibt keine einzig wahre oder richtige »Realität«
William S. Burroughs / Nova Express
„Durch die Droge sieht man die Realität, so wie sie wirklich ist“, sagt der Ex-Junkie Werner so oder ähnlich an einer Stelle im Film, und so oder so ähnlich, eben auf einem völlig anderen Trip, mögen das die Mächtigen der Stadt Hamburg sehen, wenn sie in ihrer Realität über das soziale Miteinander, Freiräume, und mehr noch, über das biologisches Werden, über Leben und Tod von Einwohnergruppen entscheiden. Bio-Politik aus einer mehr oder minder gesellschaftlich notwendigen Perspektive, deren Fluchtpunkte mit denen von Drogenkonsumenten und beispielsweise auch mit denen von Filmemachern divergieren. UNANGENEHM!
Einen objektiven Standpunkt gibt es nicht. Den behauptet Peter Ott, nein, den beansprucht auch sein Film keinesfalls für sich, wenn Werner in einer speziellen Stadtführung durch die Topologie der hiesigen Drogenszene leitet.
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>GOTT SEI DANK BIN ICH ATHEIST< SAGT LUIS BUÑUEL IN MEINEM KOPF
Peter Ott schreibt in vier Kapiteln die Entstehungsgeschichte einer Prophezeiung, in der mehrere Geschichten aufeinandertreffen: Die biblische Geschichte Jonas; die Produktionsgeschichte des Films, den wir sehen; die Geschichte Werner Wiesers; die Geschichte der Stadt Hamburg, usw. – nicht zuletzt: Die Geschichte des Regisseurs Peter Ott. In besonders starken Momenten bietet er sehr intime Einblicke in sein vermeintliches Familienleben, wenn er beispielsweise im Nightshot-Modus die Körper seiner schlafenden Kinder abscannt oder seine Telefonnummer für längere Zeit vor die Kamera hält. RUF MICH AN! Wer ihm hier eine übertriebene intime Selbstthematisierung in der Öffentlichkeit vorwerfen möchte, kann sich am Vorwurf freuen. Vielmehr zeigen diese Einblicke, dass das Private nahezu immer schon öffentlich, für Voyeure und Machtwillige transparent ist.
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DIE KAMERA LÄUFT DURCH DEN WALD UND PLÖTZLICH IST DA EIN ZAUN
JONA (HAMBURG) ist durch Brüche und Störungen gekennzeichnet. Spiegel, abgefilmte Bildschirme und sich beobachtende Kameraaugen vervielfältigen das Gesamtbild. Vielförmige räumliche und zeitliche Verschiebungen (z.B. durch Zurückspulen; oder auch durch die unterschiedlichen Währungen – D-Mark und Euro) lassen im Sicht- und im Hörbaren das Dazwischen erahnen, und verweisen auf deren Bedingungen. NERVIG!
Indem der Film das, was er zeigt beständig bricht und dekonstruiert, wird der Zuschauer fortlaufend ent-täuscht. In seiner Sichtbarmachung reflektiert das Medium gleichzeitig die Abwesenheit anderer Bilder, die Ausgrenzung des Off-Screnes, das Ausblenden anderer Wahrheit, und deutet dadurch auf seine vielschichtigen Identitäten, genauso wie auf die materiellen Möglichkeiten, menschliche Wesen räumlich auszuschließen, anwesend und – beispielsweise durch Platzverweise – abwesend zu machen. Sichtbar & Unsichtbar. Hörbar & Stumm. Vermittelt & Unvermittelt.
MEDIZIN = POLAMIDON = GIFT
Das Dazwischen, das da stört und auf Verfahrensweisen, Techniken oder Beziehungen aufmerksam macht, kann in vielen Dingen gesehen werden: Ein Zoom in die Unschärfe, ausbleibender Ton, fehlende finanzielle Mittel, eventuell HIV, Beethoven, Regen, Kinder hinter der Kamera, Junkies am Bahnhof. Es wird unklar was Störung und was Form ist?
Die Störung (Botschaft?) entsteht im Kinozuschauer, wie im innerfilmischen Betrachter, der sich jeweils in einer eigenen Bilderwelt (siehe z.B. die Wandgemälde bei den städtischen Verhandlungen zur Drogenpolitik) aufhält. Machtvoll sind diejenigen, die Störungen beseitigen können: Der Filmemacher, der saubere Bilder und Töne präsentiert; die Politiker, welche die Stadt vom Drogenproblem reinigen; Gott, der seine Schöpfung durch Auslöschen von Städten säubert.
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THE MEDIUM IS THE MEDIUM
Bleibt man nahe an der biblischen Geschichte Jonas, dann erzählt der Film von einem eigenwilligen Medium, einem Prophet, der eine seltsam väterliche Botschaft nicht aufnehmen und überbringen möchte/kann, da ihm die Auswirkung von vorne herein klar zu sein scheint; er sich letztlich selbst bei der Prophezeiung seinem Mediensein und der Zerrissenheit von Bildern und Tönen, die durch verschiedene Kameras übertragen werden, bewusst ist. Selbst der Vater scheint nicht an die Botschaft (Störung?) zu glauben, da er sein Zelt vor der Stadt aufgebaut hat, um deren Untergang zu betrachten.
Die Botschaft (Medium?) sucht sich ihre Wege durch Medien. Wird durch diese hervorgebracht. Kommt durchs Telefon oder durchs Fax. Von Vätern zu Söhnen. Die Message steht in Büchern in Plastiksäcken, ist Spur, ist Referenz, z.B. Giorgio Agamben oder Mike Davis. Sie will übertragen und prophezeit werden. Doch sie muss die passenden Kanäle (die richtigen Venen) finden. Auf dem Wahlzettel ist kein Platz für (politische) Nachrichten. Bei der Ab-Stimmung ist der Kanal besetzt. Sackgasse.
Macht Peter Ott das richtig, wenn er es so macht wie er es macht? Ist das politisch? Wieso muss er mir sein Prophet-Werden vermitteln?
Jenseits der Bilder in der Vermischung von Realem, Imaginärem und Symbolischem, von Einzelkörpern und Gesellschaftskörper entsteht in mir das Bild einer Stadt, einem Dispositiv namens HAMBURG, dessen heterogene Elemente in ihren Verknüpfungen bestimmten Einwohnern erhebliche Lebenseinschränkungen bescheren. Peter Ott kann diese Beziehungen nur skizzieren, und versuchen, den kulturellen und politischen Verbindungen auf die Spur zu kommen.
So wie er den Prozess des Entstehens einer Botschaft beschreibt, die eventuell Störung ist, und die sich aus koordinatenlosen Stimmen und Bildern zusammensetzt; sich in ein Medium einschreibt, dort als vielschichtige Form auftaucht, um sofort wieder zu verschwinden – so wie er das macht - macht er das gut.
Für die einen ist das Geräusch, das im Ton zu hören ist, bevor ein Handy klingelt, Störung. Für mich ist es ein Zeichen, dass gleich ein Gespräch angenommen werden kann. Der Film ist das Signal, das der Kommunikation nach dem Film vorauseilt. Der fünfte Akt – in dem wir nach Nietzsches historischem Sinn ja immer schon leben – ist das Ende des Films – zugleich jedoch offene Utopie. Hamburg is a place on earth. Der Zuschauer kann entscheiden, ob er zuschauen oder zum Propheten werden will.
Jona (Hamburg), D 2004, 84min. R+B: Peter Ott, K: Doro Carl, Anja Stojanek, Peter Ott, D: Peter Ott, Anja Stojanek, Silke Fischer, Doro Carl, Werner Wieser, Sebastian Scheerer, Olga Irshaid, Moses Holl, Ute Holl, Syvlia Höncke † u. a.
http://www.otthollo.de/JONA/index.html
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